Jörg Hamann /  visual artist
 
 

Die malerischen und romantischen Reisen von Künstlern in Europa liegen zumeist mehr als 200 Jahre zurück. Damals unternahm man Bildungsreisen entlang der großen Flüsse von deren Quelle bis zu ihrer Mündung und hielt mit Reiseberichten und Zeichnungen „Erinnerungsbilder“ für ein breites Publikum fest. Diese „Erinnerungsbücher“ bergen oft die frühesten überlieferten Aufzeichnungen von Bauwerken, Städten, Landschaften und Geschichte.

Heute führen durch das mittlere Saaletal, welches einst das romantisches Denken, Dichten und Bilden in besonderer Weise inspirierte, die Trassen von Hochgeschwindigkeitszügen. Entlang des Flußlaufes macht Jörg Hamann filmisch Halt an Orten, die sonst kaum Beachtung finden. 

In Bad Kösen begegnet uns eine riesige Saline, deren wundersamer, hölzerner Organismus seit 300 Jahren unermüdlich und knarzend Sole aus dem Schacht quer durch die Stadt zum Inhalieren auf das riesige Gradierwerk hebt.

Im Thüringer Schiefergebirge wurden zwischen 1935 und 1945 vier große Talsperren als sogenannte „Saalekaskade“ zum Hochwasserschutz erbaut. Zahlreiche Zwangsarbeiter waren damals am Bau beteiligt. Für den Stausee der Hohenwartetalsperre mußten 2 Dörfer geflutet werden, Preßwitz und Saaltal. Hier entstanden besonders eindringliche Landschaftsaufnahmen.

Nächtlich Reisende fragen sich nahe Leuna was sie hier sehen: leuchtende Kathedralen, eine verbotene Zone oder eine Alien-Stadt? Die Kamera fokussiert im Dunkeln moderne chemische Industrie soweit das Auge reicht.

Im nahen Merseburg wird eine Jahrhunderte alte Sage lebendig gehalten und Raben müssen seither für einen Diebstahl büßen.

In Orlamünde, blieb offenbar die Zeit stehen. Aber in welchem Jahrhundert? Schließlich umrunden wir die malerischen Gegenden bei Jena wo einst Goethe, Schiller und Novalis unterwegs waren und blicken auf talüberspannende Brückenbauten und einschneidende industrielle Veränderungen.

In 6 kurzen Kapiteln entsteht mit Hamanns künst-lerischer Dokumentation ein kaleidoskopartiger Blick auf Unbekanntes und Vertrautes, Herbes und Sonder-bares, Überraschendes und Unvergängliches sowie auf eine gerade noch sichtbare Vergangenheit mitten in Europa.

Neue Reisen ins Saaletal

Neue Reisen ins Saaletal

Jörg Hamann

Film, HD, 37 min, 2012


(Clara-und Eduard-Rosenthal-Sipendium, Jena, 2011)

The journeys of artists across Europe date back mostly for more than 200 years. At that time we took educational trips along the major rivers from source to estuary and draw up travel report and prints for a broad audience. This "memory books" often conceal the earliest surviving notes of buildings, cities, landscapes and history.

Today the mid valley of river Saale, which inspired all kinds of romanticism in a special way, is crossed by routes of highspeedtrains.

Along the river course Jörg Hamann did a cinemati-cally stop in 6 places at the south of eastgermany, which would otherwise find little attention.

In Bad Kösen we encounter an huge salina. Its wondrous, wooden organism creaky lifts up brine for inhalation since 300 years throughout the city on to the roof of the graduation house.

Four large dams for flood protection were build between 1935  - 45 in the Thuringian Slate Mountains. Many forced labourer were involved and two villages were flooded - Preßwitz and Saaltal. Insistent shots of landscapes were developed here.

Nocturnal travelers nearby Leuna wonder what they see here: luminous cathedrals, a forbidden zone or an alien city? The camera focuses on modern chemical industry in the dark as far as the eye.

A centuries - old saga is kept alive in the near Merseburg and raven have to atone for a theft since then. High up on a ridge of red sandstone, in Orlamünde apparently time stood still. But in which century? A Monastery from the year 1279 can be purchased commission-free. At least we are circling the pituresque surroundings of Jena, where Goethe, Schiller and Novalis where wandering. We behold valley-spanning bridges and drastic industrial changes. In six chapter Hamann allows us a kaleidoscopically view to the unknown and the familiar, to the strange, surprising and imperishable, and to a barely visible past in the center of europe.








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